Heilpädagogische Behandlung

Behandlung

Heilpädagogik wird ganz allgemein als Theorie und Praxis der Erziehung unter erschwerten personalen und sozialen Bedingungen verstanden.

Durch das Spektrum der heilpädagogischen Methoden möchte ich auf die jeweils spezifischen Probleme der Kinder und Jugendlichen reagieren und ihre Gesamtentwicklung fördern helfen.

Heilpädagogische Behandlung regt neue Erfahrungen an. Sie ermöglicht eine nachholende Entwicklung.

Probleme werden erkannt und mit Hilfe des Spiels oder durch die Gestaltung von Materialien dargestellt und bearbeitet.

Praktische Fertigkeiten sowie Handlungsalternativen zu auffälligem Verhalten werden eingeübt.

Regelmäßige Eltern-, Familien- sowie Bezugspersonengespräche helfen, neue Lösungswege oder Handlungsstrategien zu finden.

Koordination und Kooperation mit allen am Hilfeprozess Beteiligten ist selbstverständliche Notwendigkeit.

Angebot

Angebot

  • Heilpädagogische Entwicklungsförderung
  • Wahrnehmungsförderung
  • Heilpädagogische Spieltherapie
  • Sprachanbahnung
  • Psychomotorisches Training
  • Werken und Gestalten
  • Kinder- und Jugendlichentherapie (personenzentriertes Verfahren)
  • Traumatherapie (EMDR)
  • Gruppen für übergewichtige und adipöse Kinder (Gewichtskurve erstellen lassen bei Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
  • Entwicklungs-, Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik
  • Eltern-, Familien- und Bezugspersonenberatung
  • Beratung für Einrichtungen

Für wen

Für wen

  • Für Kinder mit Auffälligkeiten bzw. Verzögerungen in ihrer Entwicklung, auch bei Sprach-, Schul- und Lernproblemen.
  • Für Kinder, die antriebsarm, gehemmt und unmotiviert erscheinen.
  • Für aggressive und ängstliche Kinder.
  • Für hyperaktive Kinder.
  • Für Kinder, die behindert oder von Behinderung bedroht sind.
  • Für Kinder, die es schwer haben, Kontakt zu finden.
  • Für Kinder, die unter einer bevorstehenden oder aktuellen Trennung leiden (z. B. Scheidung oder dem Tod einer geliebten Person).
  • Für traumatisierte Kinder.
  • Für Kinder, die plötzlich wieder einnässen oder einkoten sowie auffallen durch Verhaltensveränderung.
  • Für Eltern und Kontaktpersonen.

Beispiele


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Kosten

Kosten

Die Kosten für eine heilpädagogische Behandlung übernehmen die Träger der Sozial- und Jugendhilfe auf Antrag der Eltern, wenn der Förderbedarf durch einen Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater festgestellt wurde. (Eingliederungshilfe gem. § 53 SGB XII in Verbindung mit §§ 55, 56 SGB IX; §§ 27 Abs. 3 SGB VIII)

Privatzahlung ist möglich.

Über mich

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Hans-Jörg Knittel, Diplom-Heilpädagoge (FH), Kinder- und Jugendlichentherapeut, Traumatherapeut

Seit 1986 angestellt im Jugendhilfekontext mit den Arbeitsschwerpunkten Einzeltherapie mit Kindern und Jugendlichen (7 bis 16 Jahre alt), Beratung von Eltern, Pädagogen im Gruppendienst und Lehrern, Diagnostik (Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik), Kooperation mit den Jugendämtern, Gruppentraining für adipöse Kinder.

Seit 1990 zusätzlich freiberuflich in eigener Praxis tätig mit den Arbeitsschwerpunkten Frühförderung von Kindern die behindert oder von Behinderung bedroht und entwicklungsverzögert sind. Darüber hinaus arbeite ich gerne mit Kindern mit emotionalen Problemen und Blockierungen, aber auch mit Kindern, die vorher nie dagewesene Probleme zeigen (die zum Beispiel wieder einnässen oder einkoten oder depressiv erscheinen, die in ihren kognitiven Leistungen "absinken").

Langjährige Erfahrung habe ich auch in der Begleitung von Kindern mit Aufmerksamkeitskeitsstörung, sowohl mit, als auch ohne Hyperaktivität (AD(H)S).

Mein Menschenbild und mein therapeutischer Zugang ist geprägt durch den personenenzentrierten Ansatz von Carl Rogers.
In der Beratung ist mir der lösungsorientierte Ansatz und die systemische Betrachtungsweise wichtig und nützlich.

Vita

1981 - 1986 Studium der Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule Freiburg

1989 - 1996  Ausbildung in personenzentrierter Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen (GwG)

2002 und 2004 intensive Ausbilung in EMDR-Traumatherapie, insbesondere in der Anwendung bei Kindern.

2005 Ausbildung zum Adipositastrainer (KgAS).

Impressum

Verantwortlich

Hans-Jörg Knittel
Kenzinger Straße 28a
79336 Herbolzheim-Wagenstadt
Tel.: 07643-913199
Fax: 07643-931075

Kontakt: info@heilpaedagogik-herbolzheim.de

Internet: www.heilpaedagogik-herbolzheim.de

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Qualitätssicherung

Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung freier heilpädagogischer Praxen gewährleisten der Deutsche Berufsverband für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Heilpädagogik (DBSH e.V.) und der Berufsverband der Heilpädagogen (BHP e.V.) mit einem Anerkennungsverfahren, damit die heilpädagogischen Praxen vorgegebenen Qualitätsrichtlinien entsprechen. Diese beziehen sich auf berufliche Qualifikation der Heilpädagogen und die Praxisausstattung.

Heilpädagogische Praxen in den Regionen Landkreis Emmendingen, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und Freiburg Stadt, die diese Anerkennung besitzen, haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die für weitere Informationen zur Verfügung steht: ARbeitsGEmeinschaft Heilpädagogischer Praxen
Raufeldstr. 1, 79261 Bleibach

Tel.: 07685913490, Fax 076859139959
www. heilpaedagogik-in-der-praxis.de
email: info@heilpaedagogik-in-der-praxis.de

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Materialien

08. November 2014

Antrag für die Kostenübernahme für eine heilpädagogische Behandlung

Für Kostenübernahme für eine heilpädagogische Behandlung in meiner Praxis können Sie beim örtlich zuständigen Sozialamt einen Antrag stellen. Den Download für den Antrag finden Sie hier.

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Heilpädagogik

Begriff

Heilpädagogik wird ganz allgemein als Theorie und Praxis der Erziehung unter erschwerten personalen und sozialen Bedingungen verstanden. Heilpädagogik steht im Dialog mit anderen Wissenschaften und versteht sich als Partizipationswissenschaft. Sie zielt auf die Gleichstellung von benachteiligten, ausgegrenzten und behinderten Menschen und orientiert sich nachhaltig an den Paradigmen Selbstbestimmung und Emanzipation sowie Integration und Inklusion.

Das breit gefächerte Angebot der Heilpädagogik richtet sich folgerichtig an Menschen, deren Bedarf an Erziehung, Bildung, Förderung, Therapie, Pflege, Begleitung, Hilfe, Betreuung und Assistenz aufgrund von Störungen der Körperfunktionen bzw. -strukturen (funktioning) und in Anhängigkeit von Kontextfaktoren damit einhergehenden Einschränkungen ihrer Aktivität (activity) höher und anders gelagert ist sowie die gesellschaftliche Teilhabe (partizipation) erschwert. Heilpädagogik leistet wertvolle Hilfen zur Erziehung bei jungen Menschen mit emotionalen und Verhaltensstörungen und unterstützt Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen und Lebensphasen.

Im Berufsfeld arbeiten Heilpädagogen/innen weitgehend eigenverantwortlich im Rahmen institutioneller und rechtlicher Vorgaben (u.a. Bundessozialhilfegesetz und Kinder- und Jugendhilfegesetz). Sie sind im interdisziplinären Team mit anderen Fachleuten für die Ermittlung des heilpädagogischen Betreuungsbedarfes (Diagnose und Indikation) und die Anwendung heilpädagogischer Methoden zuständig. Dafür werden sie im Studium umfassend vorbereitet. Darüber hinaus werden ihnen Anleitungs-, Lehr- und Leitungsaufgaben im Berufsfeld übertragen. Auch dafür werden im Studium der Heilpädagogik wichtige Grundlagen vermittelt (Didaktische Modelle, Management, etc.).

Heilpädagogen/-innen arbeiten mit folgenden Methoden:

  • Heilpädagogische Entwicklungsförderung
  • Heilpädagogische Spieltherapie und andere Verfahren der Kindertherapie
  • Wahrnehmungsförderung und Sensorische Integration
  • Heilpädagogische Rhythmik und Psychomotorik
  • Heilpädagogische Kunsttherapie und weitere kreative Verfahren
  • Systemen und Methoden der unterstützten Kommunikation * Verhaltenstherapeutische Verfahren
  • Methoden der Gesprächsführung und Beratung
  • Systemische Arbeit mit Familien und anderen Bezugspersonen
  • Alltagspraktische Förderung und Begleitung
  • Begleitung beim Übergang behinderter Menschen in den Beruf, in neue Wohnformen, sowie vom Berufsalltag in den Ruhestand
  • Gestaltung des heilpädagogischen Milieus

Historie

Der Begriff Heilpädagogik geht zurück auf Jan-Daniel Georgens (1823-1886) und Heinrich Marianus Deinhardt (1821-1880). Sie veröffentlichten 1861 und 1863 ihr zweibändiges Werk Die Heilpädagogik mit besonderer Berücksichtigung der Idiotie und der Idiotenanstalten.

Die Vorsilbe “Heil” ist unterschiedlich interpretierbar. Der Begriff leitet sich von dem griechischen „holos“ = „ganz“ ab, wobei „ganz“ auch „Glück“ bedeutet. „Heil“ in Heilpädagogik ist also nicht heilen im medizinischen Sinne, also die Wiederherstellung eines gesunden, beeinträchtigungsfreien Zustandes, sondern bedeutet eine ganzheitliche Betrachtung, Behandlung und Integration des Menschen. Der wichtige Grundgedanke der Heilpädagogik, die "Ganzheitlichkeit" bedeutet: Nicht allein Behinderung oder erschwerte Bedingungen und deren Behebung dürfen Gegenstand der Heilpädagogik sein. Aus dem heilpädagogischen Blickwinkel ist der ganze Mensch (mit seinen Fähigkeiten, Problemen und Ressourcen, sowie seinem sozialen Umfeld) bei der Bearbeitung und Lösung von Problemstellungen zu betrachten und mit einzubeziehen.

"Die Aufgabe der Heilpädagogik ist es, Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten bzw. Verhaltensstörungen oder mit geistigen, körperlichen und sprachlichen Beeinträchtigungen sowie deren Umfeld durch den Einsatz entsprechender pädagogisch-therapeutischer Angebote zu helfen. Die betreuten Personen sollen dadurch lernen, Beziehungen aufzunehmen und verantwortlich zu handeln, Aufgaben zu übernehmen und dabei Sinn und Wert erfahren. Dazu diagnostizieren Heilpädagogen vorliegende Probleme und Störungen, aber auch vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten der zu betreuenden Personen und erstellen individuelle Behandlungspläne. Durch geeignete pädagogische Maßnahmen fördern sie die Persönlichkeit, die Eigenständigkeit, die Gemeinschaftsfähigkeit, den Entwicklungs- und Bildungsstand sowie die persönlichen Kompetenzen der zu betreuenden Menschen. Darüber hinaus beraten und betreuen sie Angehörige oder andere Erziehungsbeteiligte, zum Beispiel in Problem- und Konfliktsituationen." (Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Heilpädagoge/Heilpädagogin.)

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Entwicklungsförderung

Der Begriff Frühförderung (Frühe Hilfen ) ist eine Sammelbezeichnung für pädagogische und therapeutische Maßnahmen für Kinder, die behindert oder von Behinderung bedroht sind. Die Maßnahmen der Frühförderung umfassen den Zeitraum der ersten Lebensjahre und können sich bis zum Kindergarteneintritt oder bis zur Einschulung erstrecken.

Allgemeine Frühförderung

Im Vordergrund stehen in der Regel pädagogische - meist heilpädagogische - Hilfen, wie die Entwicklungsförderung, die z.B. durch geeignete und in der Regel sehr spielerische Methoden Anreize gibt. Hinzu kommen in vielen Fällen medizinisch-therapeutische Maßnahmen, wie sie z.B. durch die Krankengymnastik, die Ergotherapie oder die Logopädie erbracht werden. Wirken pädagogische und medizinisch-therapeutische Leistungen zusammen, spricht man von einer Komplexleistung. Leistungen der Frühförderung werden vor allem in (interdisziplinären) Frühförderstellen, freien heilpädagogischen Praxen und Sozialpädiatrischen Zentren erbracht.

Spezielle Frühförderung für sinnesbeeinträchtigte Kinder

In der Frühförderung für Kinder mit einer Sinnesbehinderung arbeiten ausgebildete Sonderschullehrer der entsprechenden Fachrichtung. Neben der Förderung des Kindes bildet die Elternarbeit einen wichtigen Schwerpunkt. Aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl sinnesbeeinträchtigter Kinder im Bundesgebiet im Gegensatz zur höheren Zahl von Kindern der allgemeinen Frühförderung gibt es erheblich weniger Frühförderstellen. Diese einzelnen Frühförderstellen haben jedoch einen großen Zuständigkeitsbereich und decken das gesamte Bundesgebiet ab, sodass man sich bei Bedarf durchaus auch an weit entfernte Frühförderstellen wenden kann. Die Frühförderung findet weitgehend mobil statt, das heißt, dass die dort beschäftigten Mitarbeiter (z.B. Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen) die Kinder in der elterlichen Wohnung oder im Kindergarten aufsuchen und dort die Förderung des Kindes und ggf. die Beratung der Eltern durchführen. Eine Ausnahme ist z.B. Hamburg, wo ambulant in der Sonderschule die Frühförderung durchgeführt wird. In der Frühförderung für Kinder mit einer Hörbeeinträchtigung findet eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Regelkindergärten, Hörgeräteakustikern, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Logopäden und allgemeinen Frühförderern statt.

Gesetzeslage

Rechtsansprüche auf Finanzierung von Maßnahmen der Frühförderung sind im Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch - Sozialhilfe (SGB XII) und im Rehabilitationsgesetz (SGB IX, § 30), zusammengefasst, im Krankenversicherungsrecht (SGB V) und für Kinder mit seelischer Behinderung im Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII / KJHG) festgeschrieben. Da - abhängig vom Wohnort - die Leistungen der Frühförderung äußerst unterschiedlich sind, hat der Gesetzgeber im Juni 2003 eine Rechtsverordnung erlassen - "Verordnung zur Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder", auch Frühförderungsverordnung (FrühV). Diese sollte bewirken, dass medizinisch-therapeutische und heilpädagogische Leistungen stärker verzahnt und auf der Grundlage von Finanzierungsvereinbarungen abgestimmter erbracht werden. In der Praxis hat sich jedoch herausgestellt, dass die Hoffnungen, die mit der Rechtsverordnung verbunden wurden, bisher nur unzureichend erfüllt wurden. Über zwei Jahre nach dem Erlass der Rechtsverordnung ist es bisher lediglich in Nordrhein-Westfalen zum Abschluss einer Landesrahmenempfehlungen gekommen, die am 01. April 2005 in Kraft getreten ist. Damit ist ein wesentlicher Schritt zur Konkretisierung der Anforderungen an interdisziplinäre Frühförderstellen und Sozialpädiatrische Zentren vollzogen und es sind die Chancen für eine flächendeckende und zielgerichtete Weiterentwicklung des Systems der Frühförderung erhöht worden. Auf dieser Grundlage müssen dann noch konkrete örtliche Vereinbarungen geschlossen werden.

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EMDR-Traumatherapie

Nicht erst seit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York wissen wir, was ein Trauma ist: eine extrem belastende Situation, in welcher elementare Lebensbedürfnisse bedroht und verletzt werden, ohne dass man angemessen darauf reagieren kann. In vielen Bereichen des Lebens sind Menschen früher wie auch heute Situationen ausgesetzt, die sie extrem belasten: z.B. Unfälle, Naturkatastrophen, Misshandlungen in der Kindheit, Vergewaltigung, körperliche Gewalt, andauernde Stigmatisierung (z.B. beständige schlechte Schulleistungen oder öffentliche Reglementierung durch einen Lehrer), Trennung oder Tod einer geliebten Person u.a..

Die Wahrscheinlichkeit, irgendein Trauma in seinem Leben zu erfahren liegt bei 60%. Die Wahrscheinlichkeit, mit diesem traumatischen Ereignis nicht zu Recht zu kommen, liegt bei 20%. D.h. 20% der Menschen die ein traumatisches Ereignis erlebten, erkranken an einer posttraumatischen Belastungsreaktion (PTBS): belastende Erinnerungen, Alpträume, Vermeidung von ähnlichen Situationen, anhaltende Erregung (z.B. in Form einer Hyperaktivität), Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Verschlechterung der schulischen Leistungen, Reizbarkeit, sekundäres einnässen oder einkoten, soziale Isolation u.a..

Im ersten Jahr der PTBS bewältigen diese 50% der Fälle ohne Behandlung. Bei den anderen ist mit einem chronischen Verlauf der PTBS ohne Behandlung zu rechnen. Das bedeutet, etwa10% aller, die je ein Trauma erlebten, entwickeln eine chronische PTBS.

Die Wahrscheinlichkeit an einer PTBS in seinem Leben zu erkranken, liegt bei Männern bei 5% und bei Frauen bei 10%.

EMDR ist eine Methode zur Verarbeitung psychischer Traumata. EMDR ist die Abkürzung für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, was übersetzt etwa „Desensibilisierung und Neuverarbeitung mit Augenbewegungen“ bedeutet. EMDR wurde von der Amerikanerin Francine Shapiro ab 1989 entwickelt und findet seit Mitte der 90-er Jahre weltweite Verbreitung.

Bei der Behandlung von PTBS ist EMDR die am umfangreichsten untersuchte Behandlungsmethode. EMDR gilt als die effektivste Methode im Vergleich zu anderen Verfahren. Derzeit werden weitere Anwendungsbereiche für EMDR untersucht: v.a. Angst- und Zwangsstörungen.

Bei einer PTBS liegt ein unverarbeitetes Trauma zugrunde: Das Erlebte scheint im Nervensystem des Gehirns mit allen Bildern, Gedanken und Gefühlen „eingefroren“ zu sein - zwischen den Gehirnarealen Neocortex und limbischem System kommt es zu einer Blockierung. Die Augenbewegungen, die im EMDR-Verfahren provoziert werden, scheinen diese Blockierung aufzulösen und dem Gehirn wird ermöglicht, die Erfahrung zu verarbeiten. Es wird angenommen, dass es sich um denselben Prozess handelt, der im REM- (Rapid Eye Movement) oder Traumschlaf geschieht: die Augenbewegungen scheinen mitzuhelfen, Informationsmaterial im Gehirn zu verarbeiten. Es ist wichtig zu wissen, dass das Gehirn diesen Heilungsprozess steuert und kontrolliert! EMDR hebt also die Blockierung auf und fördert einen Verarbeitungsprozess mit dem Ziel, dass die Erinnerung weniger belastend wird. Negative Einstellungen, die aus dem Trauma resultieren, können in positive funktionale Überzeugungen überführt werden. Das Trauma, die negativen Überzeugungen und die Körperempfindungen werden dabei verarbeitet. Der Patient wird nicht hypnotisiert. Er hat jederzeit völlige Kontrolle über den Verarbeitungsprozess. Erfahrungsgemäß ist EMDR sehr anstrengend. Meist reicht eine Doppelstunde nicht aus. In der Zeit, in der EMDR durchgeführt wird, sollte wenig zusätzlich Belastendes sein. So sollte man nach der EMDR-Sitzung nicht zur Arbeit gehen, auch in Stresszeiten sollte kein EMDR durchgeführt werden.

Vorgehen:

Um das Vorgehen beim EMDR zu erlernen, wird der Patient zuerst mit den Techniken vertraut gemacht. Bilaterale Stimulation geschieht über Augenbewegungen, Taping (Antippen z.B. der Knie, der Hände, der Schultern) oder sonstige visuelle oder auditive bilaterale Reize. Positive Gedanken oder Bilder werden als „sicherer Ort“ verankert. Dieser dient dazu, belastende Einnerungen während des folgenden Prozesses zu ertragen. Die Stop-Regel wird vereinbart (sh. unten).

Das hier erlernte kann später oder auch zwischen den EMDR-Sitzungen als Entspannungsverfahren verwendet werden.

Im Prozess der Traumabearbeitung sitzen sich der Therapeut und der Patient gegenüber. Der Patient folgt mit den Augen der Hand des Therapeuten. Die Augenbewegungsserien werden von Zeit zu Zeit unterbrochen, um zu prüfen, wo der Patient sich gerade im Prozess befindet. Der Patient soll möglichst klare Informationen geben, was gerade passiert. Manchmal zeigen sich Veränderungen, manchmal nicht. Bei diesem Prozess gibt es kein „so muss es sein“. Der Patient soll möglichst genau schildern was passiert, ohne es zu bewerten. Er soll geschehen lassen, was geschieht, wie bei einer Zugfahrt: man schaut hinaus auf die vorbeiziehende Landschaft, ohne diese zu beeinflussen oder zu verändern.

Es kann (muss aber nicht!) zu Abreaktionen alter eingefrorener Gefühle und Empfindungen kommen. Der Patient hat die Möglichkeit zu Stoppen (Hand heben – Stopp-Regel; Gesicht wegdrehen), wenn es zuviel wird. Er sollte aber versuchen durch den "Tunnel" durchzufahren und die alten Gefühle abzureagieren und damit zu verarbeiten.

Zwischen den EMDR-Sitzungen können sich die begonnen Entwicklungen fortsetzen. Es können neue Einsichten, Gedanken, Erinnerungen oder Träume auftauchen. Wenn dies geschieht sollte dies einfach wahrgenommen und in einem Tagebuch festgehalten werden. Diese Aufzeichnungen werden dann in der nächsten Sitzung besprochen.

Therapeuten sind in der Behandlung traumatisierter Kinder aufgefordert, die Sitzungen kreativ zu gestalten. Kinder sind nicht alle in der Standardisierung des auf Erwachsene ausgerichteten Verfahrens unterzubringen. Zum einen ist die Sprache „herunter zu transportieren“ auf eine kindgerechte, zum anderen hat sich in der Bearbeitung bestimmter Prozesse das Malen oder das Aufstellen von Figuren als besonders wirksam herausgestellt.

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Lösungsorientierter Ansatz

Ein lösungsorientierter Ansatz (engl. solution focused therapy) ist eine spezielle Art der Gesprächstherapie, die von den Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg 1982 erstmals vorgestellt wurde. Sie geht von dem Standpunkt aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen, Ausnahmen vom Problem zu konzentrieren anstatt auf Probleme und deren Entstehung.

Grundprinzipien

Die zentrale Voraussetzung jeder Beratung ist die Erwartung, dass sich etwas verändern und verbessern kann. Lösungsfokussierte Beratung glaubt, dass Veränderungsprozesse unvermeidbar sind und sich fortwährend ereignen.

Die Methode unterscheidet sich von anderen Vorgehensweisen durch die Überzeugung des Beraters, dass bereits eine kleine Veränderung im Verhalten eines einzigen Menschen erhebliche und weitreichende Veränderungen aller übrigen Beteiligten nach sich ziehen kann. Sie konzentriert sich auf die Ausnahmen eines Problems, jene Momente, in denen kleine Veränderungen in der Stabilität eines Problemzustands auftreten. Der Ausbau einer schon vorhandenen Veränderung, so klein sie auch immer sein mag, wird als wichtiger betrachtet als darüber nachzudenken, wie sich falsches Verhalten korrigieren oder verändern lässt.

Die Erforschung des spontanen oder willkürlichen minimalen Auftretens des erwünschten Zielzustands steht im Mittelpunkt der Interventionen. Lösungsfokussierte Beratung bedeutet: Die Lösung steht im Brennpunkt. Das Verfahren zeichnet sich durch das Bemühen aus, persönliche und soziale Fähigkeiten einer Person deutlich zu machen und gemeinsam Lösungen zu konstruieren, d. h. Alternativen zu dysfunktionalen Gedanken-, Gefühls- und Handlungsmustern zu finden. Das Praxismodell fällt durch seine konsequente Ziel- und Ressourcenorientierung auf. Ressourcenorientierung meint eine Grundhaltung, die sich nicht an Defiziten, sondern an den Stärken und Kompetenzen der Menschen orientiert.

Lösungsfokussiertes Arbeiten hat zum Ziel, mit den Klienten gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, welche sie ermutigen, möglichst selbst gefundene Schritte in Richtung ihrer angestrebten Ziele zu gehen. Lösungsfokussierte Kommunikation (LFK) verzichtet weitgehend auf Diagnosestellungen, die sich an Defiziten eines Individuums ausrichten, d. h. sie ist gerade nicht kausal orientiert.

Das lösungsfokussierte Modell zählt zu den Kurztherapien, die Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre immer größere Beachtung fanden. In einer Kurztherapie werden die vorgetragenen Probleme, Konflikte, Störungen usw. nicht vertieft exploriert, sondern die beim Klienten vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen in den Fokus genommen und alle Möglichkeiten ihrer aktiven Nutzung ausgeschöpft, um möglichst direkt eine Problemlösung zu erzielen. Kurztherapie kann auch deswegen kurz sein, weil sie von der Annahme ausgeht, dass innerhalb der Beratungszeit nur Anregungen, Anstöße für die eigentlichen Entwicklungs- und Veränderungsprozesse gegeben werden, die im konkreten Alltag des Klienten umgesetzt bzw. vollzogen werden müssen. Nach de Shazer sei Kürze kein angestrebtes Ziel, sondern eine logische Folge der lösungsfokussierten Intervention. Kurztherapie bedeutet jedoch nicht, dass der Berater schnell vorgehen soll, sondern dass er sich an dem individuellen Klienten orientiert. Kurztherapie begründet sich nach de Shazer auf der Systemtheorie. Die Allgemeine Systemtheorie will exakt dies sein: allgemein. Sie gilt als anwendbar auf jedes System, unabhängig von der je spezifischen Natur der beteiligten Elemente und der zwischen ihnen bestehenden Beziehungen.

Die durchschnittliche Anzahl der Sitzungen liegt zwischen vier und sieben. Die zeitlichen Intervalle zwischen den Sitzungen werden jeweils ausgehandelt und können wenige Tage oder mehrere Monate sein. Die Effektivität des lösungsfokussierten Kurzzeitkonzepts wurde durch wissenschaftliche Studien bestätigt. 

Begriffsbestimmung ‚lösungsfokussiert’ versus ‚lösungsorientiert’ 

Das Verfahren lässt sich inhaltlich von diversen lösungsorientierten Verfahren trennen. Der wesentliche Unterschied liegt Kaimer zufolge zum einen in der Radikalität bezüglich der aktiven Thematisierung von präsentierten Problemen durch die Therapeuten. Während lösungsorientierte Therapie hier eher eine ‚weiche’ Linie verfolgt und durchaus bereit ist, das Problemverständnis zu vertiefen, verzichtet lösungsfokussierte Therapie weitgehend darauf. 

Zum anderen greifen lösungsorientierte Therapeuten weit mehr auf spezifische und bewährte therapeutische Techniken zur Problembearbeitung zurück, die traditionell in den verschiedenen Therapieschulen beschrieben werden. Im Gegensatz zu einem solchen, eher „expertenorientierten“ Herangehen knüpft der lösungsfokussierte Ansatz stärker an die Spezifika und Ressourcen des Klienten an und widmet den präsentierten Problemen gleichsam bedeutend weniger Aufmerksamkeit.

Lösungsorientierung bezeichnet die innere, auf Lösungen ausgerichtete Haltung eines Experten. Fokussierung bezieht sich zusätzlich auf die konkrete Interventionsstrategie des Therapiemodells LFK. Lösungsorientiert ist zuallererst eine Orientierung, eine Ausrichtung, ein bevorzugter Fokus, eine bewusst gewählte Sichtweise. Lösungsorientierung schließt das Vorhandensein von Problemen nicht aus, „sondern verweist auf die alte Erkenntnis, dass ein Problem immer nur dann zu einem Problem werden kann, wenn es mit der Idee einer Lösung verbunden ist. Ohne Idee einer Lösung gäbe es kein Problem, weil es keine Idee einer Lösung gibt. Demnach bedeutet lösungsorientiert auch immer die ‚Lösung’ von liebgewordenen Ideen, wie Probleme anderer zu lösen sind.

Die Klienten sind die Experten, weil sie, wenn sie mit einem Problem in die Beratung kommen, immer auch schon eine Idee von ihrer Lösung mitbringen. Die individuellen Ideen sollen respektiert und mit den Klienten kooperativ weiter verfolgt werden, um ihnen die Nutzung ihrer Lösungsideen zu erleichtern und zu ermöglichen.

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Klientenzentrierte Psychotherapie

Die Klientenzentrierte Psychotherapie ist eine Therapieform der Humanistischen Psychologie und wird auch Gesprächspsychotherapie, non-direktive oder Personzentrierte Psychotherapie genannt. Für die humanistische Kommunikation findet die nondirektive Gesprächsführung auch außerhalb der Psychotherapie Anwendung.

Geschichte

Die Entwicklung der Gesprächspsychotherapie (auch GT oder Klientenzentrierte Therapie oder Personzentrierte Psychotherapie oder nicht-direktive Beratung) und der Klientenzentrierten Gesprächsführung ist eng mit der Person ihres Begründers Carl R. Rogers verbunden. In Deutschland wurde sie hauptsächlich durch Reinhard und Anne-Marie Tausch in den 60er Jahren bekannt. Die international üblichste Bezeichnung lautet "Personzentrierte Psychotherapie".

Carl R. Rogers war 12 Jahre lang als klinischer Psychologe psychotherapeutisch und beratend tätig, bevor er von 1940 bis 1963 an drei amerikanischen Universitäten als Professor für Psychologie und für Psychiatrie lehrte. Dadurch erhielten er und seine MitarbeiterInnen die Möglichkeit zu intensiver wissenschaftlicher Forschungsarbeit. Seine Beobachtungen über den Zusammenhang zwischen personzentrierter Haltung und konstruktiven Persönlichkeitsveränderungen konnten auf diese Weise mit einer Fülle von empirischen Untersuchungen überprüft und in den wesentlichen Punkten bestätigt werden. In den sechziger Jahren wurde Rogers Mitgründer des "Center for Studies of the Person" in La Jolla/Californien, an dem er bis zu seinem Lebensende tätig war. Rogers fühlte sich dem Denken John Deweys verpflichtet und wurde u.a. durch die Theorien von Otto Rank beeinflusst. Später wies er auch auf die geistige Nähe seiner Arbeit zur fernöstlichen Philosophie und zu bestimmten Aspekten des Zen-Denkens hin.

Zwischen 1938 und 1950 ging er in der Therapie von einem non-direktiven zu einem klientenzentrierten Ansatz über und entwickelte in vier Veröffentlichungen dessen theoretischen Hintergrund (Rogers, Counseling and psychotherapy, 1942; Client-centered therapy, 1951; A theory of therapy, personality and interpersonal relationships as developed in the client-centered framework, 1959; Rogers et al., The therapeutic relationship and its impact: A study of psychotherapy with schizophrenics, 1967).

Die GT bzw. die Personzentrierte Psychotherapie hat einen starken Einfluss auf die Bewegung der Encounter-Gruppen genommen und wird als Personzentrierter Ansatz auch in der Beratung und Supervision, als schülerzentriertes Lehren im Bildungsbereich und als gruppenzentrierte Führung im Bereich des Management angewandt.

Menschenbild

Das Menschenbild der Klientenzentrierten Psychotherapie geht davon aus, dass der Mensch eine angeborene "Selbst-Verwirklichungs-" und "-Vervollkommnungstendenz" (Aktualisierungstendenz) besitze, die, unter günstigen Umständen, für eine Weiterentwicklung und Reifung der Persönlichkeit sorge. Der Hilfesuchende trage alles zu seiner Heilung Notwendige in sich und sei selbst am besten in der Lage, seine persönliche Situation zu analysieren und Lösungen für seine Probleme zu erarbeiten. Ausgehend von diesem humanistischen Menschenbild folgerte Rogers, Psychotherapie müsse ein günstiges Klima für den gestörten Wachstumsprozess schaffen.

Ein zentraler Begriff seines Persönlichkeitsmodells einer "fully functioning person" ist das Selbstkonzept. Aus einer Diskrepanz (Inkongruenz) zwischen dem Erleben (experiencing) des Organismus und dem Selbstkonzept entstehen psychologisch relevante (An-)Spannungen und erscheinen dem Menschen als Konflikte. Ein Beispiel für Inkongruenz (entspricht einer psychischen Fehlfunktion): Eine Mutter lebt allein mit ihrem volljährigen Sohn. Jedesmal, wenn dieser offen Pläne für seinen Auszug macht, wird die Mutter krank (bekommt z.B. Hustenanfälle, Fieber o.ä.). Die Gesprächstherapie nach Rogers erklärte die Situation der Mutter durch eine Inkongruenz zwischen der aktuellen Erfahrung (der Krankheit der Mutter) und dem Selbst (der Angst, das einzige Objekt ihrer Lust - den Sohn - zu verlieren). Therapieziel ist eine reifere emotionale Anpassung, indem Ideal- und Selbstbild in Übereinstimmung gebracht werden.

Philosophisch-anthropologisch gesehen rückte mit der Weiterentwicklung des Personzentrierten Ansatzes während der letzten zwei Jahrzehnte der Begriff "Person" ins Zentrum. Wichtige zeitgenössische Autoren wie Peter F. Schmid haben diese Weiterentwicklung der philosophisch-anthropologischen Grundlagen geprägt. Die Person wird sowohl als substanzial (auf sich bezogen, autonom) wie auch relational (auf die Mitmenschen bezogen) aufgefasst. Die Person lebt in einem unzertrennlichen Wechselverhältnis zwischen Autonomie und Beziehungsangewiesenheit. Diese Verschränktheit von Substanzialität und Relationalität ist ausschlaggebend für das moderne Person-Konzept des Personzentrierten Ansatzes. Philosophisch nimmt der Personzentrierte Ansatz Bezug auf Martin Buber und in seiner Weiterentwicklung auf Emmanuel Lévinas. Auf der praktischen Ebene rückten Konzepte wie jenes der "therapeutischen Präsenz" oder der "personalen Begegnung zwischen Therapeut und Klient" vermehrt ins Zentrum.

Elemente

Die Psychotherapie-Theorie ruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: einer wissenschaftlich überprüften Aussage über wirkungsvolles Eingehen von Psychotherapeuten und Beratern auf ihre Klienten (die sechs notwendigen und hinreichenden Bedingungen zur psychologischen Veränderung) und die Grundannahmen über die Natur des Menschen ("Aktualisierungstendenz" sowie "Bedürfnis nach bedingungsloser positiver Wertschätzung").

Damit eine psychologisch relevante Veränderung des Selbstkonzepts einer Person stattfinden kann, müssen vom Therapeuten die drei Grundhaltungen in der Beziehung zum Klienten gelebt werden:

1. Bedingungslose positive Wertschätzung gegenüber der Person des Ratsuchenden mit ihren Schwierigkeiten und Eigenheiten. Das Bedürfnis nach bedingungsloser positiver Wertschätzung gehört auch zu den personzentrierten Grundannahmen über die Natur des Menschen. Die bedingungslose positive Wertschätzung gegenüber dem Klienten kann verschiedene konkrete Interaktionsformen annehmen. So gehört das vorbehaltslose Annehmen des vom Klienten Ausgedrückten dazu, das Ermutigen der ratsuchenden oder leidenden Person ist ebenso eine Grundform des bedingungslosen Wertschätzens wie das Ausdrücken von Solidarität mit dem Klienten (J. Finke, 2004).

2. Empathie: Einfühlsames Verstehen der Welt und der Probleme aus der Sicht des Klienten, und die Fähigkeit, diese Empathie dem Klienten zu kommunizieren. Bei der Empathie als generativem Prinzip von hilfreichen Therapeut-Klient-Interaktionen können verschiedene Formen unterschieden werden. Grundformen der Empathie sind beispielsweise die Wiederholung des Mitgeteilten, die Empathie als Konkretisierung des Gesagten, die Empathie mit Bezug auf das Selbstkonzept des Klienten sowie auch Empathie mit Bezug auf das organismische (haltungsprägende) Erleben des Klienten (J. Finke, 2004).

3. Kongruenz in seiner Haltung (Echtheit, Wahrhaftigkeit gegenüber dem Klienten): Offenes Wahrnehmen des eigenen Erlebens als Therapeut oder Berater, der mit dem Klienten in Beziehung steht. Dieses Offen-Sein schließt auch Echtheit in dem Sinn ein, dass Psychotherapeuten und Berater nicht nur als Fachpersonen in Erscheinung treten, sondern auch und besonders als Person sich dem Klienten in der Begegnung zu erkennen geben. Bei der Kongruenz als generativem Prinzip von hilfreichen Therapeut-Klient-Interaktionen können zum Beispiel verschiedene grundsätzliche Echtheitsformen des Therapeuten unterschieden werden. Echtheit im Sinne von Konfrontation mit dem Klienten, Echtheit im Sinne von Klärung des Beziehungsgehaltes mit dem Klienten und Echtheit/Kongruenz im Sinne einer Selbstmitteilung des Therapeutenerlebens zuhanden des Klienten (J. Finke, 2004).

Die Wirkung von Personzentrierter Psychotherapie und Beratung wurzelt in erster Linie in der Umsetzung dieser drei Grundhaltungen. Sie prägt die Beziehung zum Klienten, der sich dank dessen seiner eigenen Person zunehmend wertschätzend, empathisch und kongruent zuwenden kann (Persönlichkeitswachstum). Die jeweils konkrete personzentrierte Interaktion, welche von diesen Grundhaltungen geprägt ist, hat stets zum Ziel, die Inkongruenz der ratsuchenden Person zu reduzieren. Die konkrete Umsetzung dieser Haltungen ist jedes Mal auf den Klienten abzustimmen und ergibt zwangsläufig einen je eigenen, personzentrierten Prozess. Die Wirkung liegt nicht im theoretischen und diagnostischen Experten-Wissen über Klienten oder der Anwendung therapeutischer Techniken.

Zusätzlich zu diesen sogenannten therapeutischen Grundhaltungen (im empirisch-positivistischen Jargon auch "Therapeutenvariablen" genannt) stellte Rogers drei weitere Bedingungen für eine erfolgreiche Klienten-Therapeuten-Beziehung auf:

4. Es besteht ein psychologischer Kontakt zwischen Klient und Therapeut.

5. Eine der beiden Personen (der Klient) befindet sich in einem Zustand der Inkongruenz.

6. Das therapeutische Angebot der Grundhaltungen (1 - 3) muss vom Klienten zumindest im Ansatz wahrgenommen werden können.

Wenn alle sechs Bedingungen erfüllt sind, ist psychotherapeutische Veränderung möglich.

Die gesamten sechs Bedingungen können als einer von mehreren schulenüberschreitenden Beiträgen von Rogers gelesen werden, die Psychotherapie wissenschaftlich zu definieren und auch variablenpsychologisch erforschbar zu machen. Zahllose empirisch-wissenschaftliche Studien seit den Anfängen der klientenzentrierten Psychotherapie belegen im Übrigen die Richtigkeit seines theoretischen Psychotherapiemodells. Dennoch: Innerhalb der personzentrierten und experienziellen Gemeinschaft wird es bis heute kontrovers diskutiert, ob die sechs Bedingungen auch tatsächlich allgemein hinreichend für eine wirksame Psychotherapie sind. Deren Notwendigkeit wird hingegen von niemandem bestritten. Der Lackmustest für einen Personzentrierten Psychotherapeuten lautet denn auch, ob er die sechs Bedingungen sowohl als notwendig wie auch hinreichend erachtet oder nur als notwendig, aber noch nicht hinreichend.

Therapeutische Anwendung

Die hilfesuchende Person mit ihren jeweiligen Gefühlen, Wünschen, Wertvorstellungen und Zielen soll im Mittelpunkt der therapeutischen Interaktion stehen. Die Sichtweise des Therapeuten soll dabei weitgehend in den Hintergrund treten, Ratschläge und Bewertungen sind zu vermeiden (nicht-direktives Verhalten). Eine der Besonderheiten der Methode liegt in der Rückmeldung des vom Klienten ausgedrückten emotionalen Inhaltes seiner Aussagen ohne jede Verfälschung mit anderen Worten (aktives Zuhören; Empathie). Dadurch wird der Klient immer weiter in seine eigene Wahrnehmung geführt, oft bis an die Antworten, die er im Alltag nicht auszusprechen wagt oder derer er sich nicht gewahr werden kann. Durch das Schaffen einer vertrauensvollen Atmosphäre soll der Patient angstfrei und kreativ an der Lösung seiner eigenen Schwierigkeiten arbeiten können (Selbstexploration). Unter Nicht-Direktivität versteht der personzentrierte Psychotherapeut die Ermöglichung für den Klienten, dass er selbstgesteuert die Inhalte sowie den Prozess der psychotherapeutischen Beziehung bestimmt. Subsidiär ist eine Übernahme sowohl der thematischen wie auch der Prozessverantwortung durch den Therapeuten möglich, gegebenenfalls notwendig, sofern dies die Aufrechterhaltung und Entwicklung der psychotherapeutischen Beziehung erleichtert.

Je mehr es gelingt, die personzentrierte Grundhaltung zu verwirklichen, desto größer die Chance, dass bei KlientInnen ein Prozess in Gang kommt, der sich auf Besserung oder Heilung von psychischen und psychosomatischen Störungen zubewegt, auf die Übernahme von Selbstverantwortung und Verantwortung für Andere, auf eine Zunahme von Lern- und Lebensfreude, auf den Abbau von Wachstumsblockierungen. Das Psychotherapie- und Beratungskonzept von Rogers erscheint als theoretisches Modell relativ einfach formuliert, seine Umsetzung in die Praxis stellt jedoch hohe Anforderungen an seine BenutzerInnen: An ihre eigene Erfahrung mit dem Prozess des Sich-Wahrnehmens, -Verstehens und -Annehmens und an die Fähigkeit zur Umsetzung in das jeweilige Berufsfeld.

Kombiniert mit den experienziellen Techniken wie beispielsweise des Focusing (E. Gendlin) ist die personzentrierte oder klientenzentrierte Psychotherapie eine sehr reichhaltige, auf die kreative Begegnung setzende hilfreiche Beziehung, um dem leidenden und/oder ratsuchenden Klienten personal zu begegnen.

Die empirisch wissenschaftliche Erforschung von der Wirksamkeit der Psychotherapie hat in Carl Rogers seinen Begründer und Pionier. Bis heute werden an Universitäten und Fachhochschulen in zahlreichen Ländern Europas, der USA und oder auch in Japan intensiv empirisch-wissenschaftliche Erforschung der Personzentrierten und Experienziellen Psychotherapie betrieben und international in Publikationen rege veröffentlicht. Die Personzentrierte Psychotherapie hat ein sehr breites Indikationsgebiet (die meisten ICD-10-Störungen), die Wirksamkeit ist empirisch-wissenschaftlich sehr gut belegt. In Deutschland gehört sie zu den vom Wissenschaftlichen Beirat anerkannten Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten. In den letzten zehn Jahren sind vor allem die personzentrierte und die experienzielle Psychotherapie (Gendlin, Greenberg, Rice, Elliot etc.) näher zusammengewachsen und bilden einen gemeinsamen Weltverband für Personzentrierte und experienzielle Psychotherapie (WAPCEPC).

Ausbildung und Zulassungsvoraussetzungen

Die Ausbildung ist in Deutschland durch die "Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie e.V." (GWG) geregelt und in zwei Stufen möglich. Eine Weiterbildung in Personzentrierter Beratung (früher: Klientenzentrierter Gesprächsführung) dauert 300 Stunden und ist für Menschen möglich, die im psychosozialen, pädagogischen oder medizinischen Bereich tätig sind. Die Ausbildung in Personzentrierter Psychotherapie dauert 1.240 Stunden und ist möglich für Personen, die einen der folgenden Studiengänge an einer wissenschaftlichen Hochschule oder Fachhochschule mit einem berufsqualifizierenden Abschluss (Diplom, Staatsexamen oder äquivalenter Abschluss) absolviert haben: Psychologie, Humanmedizin (Abschluss: Drittes Staatsexamen und Approbation), Pädagogik, Theologie, Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie Heilpädagogik. Die Ausbildung, die mit einer Prüfung mit Zertifikat enden, enthalten einen festgelegten Anteil von Eigentherapie.

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